Knochenaufbau

Knochenaufbau und Knochenregeneration.

Knochenschwund oder Knochenabbau ist eines der
großen Probleme in der zahnärztlichen Implantologie.
Das erforderliche Fundament, in das die Implantate
eingesetzt werden, - der Kieferknochen - kann durch
verschiedene Ursachen reduziert bis fast völlig aufgelöst
werden, wodurch eine Implantation erschwert oder sogar
unmöglich wird. Die Ursachen können sein:

- Parodontose - Parodontitis
- Entzündungen im Knochen
- Knochenschwund nach Zahnverlust
- Knochenschwund durch Prothesendruck

Bei noch vorhandenen Zähnen entsteht der Knochenverlust in den meisten Fällen
durch Parodontose. Bakteriell bedingte Entzündungen des Zahnhalteapparates
führen zu einem langsamen Verlust des stützenden Knochens, bis der Zahn
verloren geht. Häufig ist jetzt schon eine Situation erreicht, in der das Einsetzen
eines Implantates ohne Knochenaufbau nicht mehr möglich ist. Vorbeugend ist es
daher in einigen Fällen ratsam, durch Parodontose hoffnungslos geschädigte Zähne
rechtzeitig zu entfernen, um den entzündlich bedingten Knochenverlust zu stoppen,
sofern eine vorherige Parodontosebehandlung zu keiner Besserung geführt hat.
Knochenauflösende Prozesse entstehen im Kiefer weiterhin durch abgestorbene Zähne. An deren Wurzelspitze entsteht im Knochen eine Entzündung, die langsam fortschreitend den Knochen auflöst, solange der Zahn nicht behandelt wird.

Ist ein Zahn erst einmal verloren - durch Karies, Parodontose oder einen Unfall - schrumpft der Kieferknochen in diesem Bereich im Laufe von Monaten und Jahren fortwährend, da er durch den fehlenden Kaudruck nicht mehr “funktionell” belastet wird. Gleiches geschieht beispielsweise mit einem Muskel, der aufgrund eines Gipsverbandes nicht beansprucht wird und sich daher zurückbildet. Wird nach dem Zahnverlust ein herausnehmbarer Zahnersatz angefertigt, der in den zahnlosen Bereichen dem Kiefer aufliegt, kann durch die ungünstige Kaudruckübertragung auf den Knochen der Schrumpfungsprozess sogar noch beschleunigt werden.

Vielfältige Ursachen können also dazu führen, dass das Knochenangebot für eine Implantation nicht ausreichend ist. Für fast alle Situationen gibt es heute allerdings verschiedenste Möglichkeiten und Techniken, den fehlenden Knochen wieder aufzubauen.

Guided Bone Regeneration (GBR) - gesteuerte Knochenregeneration

Bei dieser Technik wird in einen Knochendefekt ein Knochengranulat eingefüllt, welches Hohlräume und Spalten enthält, die durch neu gebildeten Knochen ausgefüllt werden. Es dient als Platzhalter und Baugerüst für den entstehenden Knochen. Verschiedene Materialien können für diesen Zweck eingesetzt werden. Ideal ist eigener Knochen, da er Proteine enthält, die eine Knochenneubildung anregen und beschleunigen. Steht Eigenknochen nicht zur Verfügung, muss auf Knochenersatzmaterialien zurückgegriffen werden. Am besten bewährt haben sich Präparate, die aus dem vollständig gereinigten anorganischen Gerüst von Rinderknochen hergestellt sind(Bio-Oss) =Xenogener Knochen, von anderen Menschen stammen ( Tutogen )allogener Knochen oder rein synthetisch hergestelltes Trikalziumphosphat (BioResorb, Cerasorb). Aufgrund der speziellen Materialeigenschaften der allogenen Materialien können bei deren Anwendung einzigartige klinische Ergebnisse erzielt werden, vergleichbar mit denen autogener Knochen und Membranen, die für die meisten Indikationen immer noch als „Gold-Standard“ angesehen werden. Diese Präparate werden im Laufe der Knochenregeneration aufgelöst und durch neu gebildeten Knochen ersetzt.
Mit sehr gutem Erfolg kommt die GBR-Technik bei kleineren Knochendefekten zum Einsatz um gesetzte Implantate,
bei denen gewisse Anteile des Implantates, z.B. einige Schraubenwindungen, nicht vollständig mit eigenem Knochen
bedeckt sind. Weiterhin eignet sie sich hervorragend zum großflächigen Knochenaufbau in der Kieferhöhle (Sinuslift).

Blocktransplantate aus Eigenknochen

Bei größeren Knochendefekten oder stärkeren und weiter ausgedehnten Resorptionen besteht die Möglichkeit,
mit transplantierten Eigenknochenblöcken entsprechender Größe, den Kieferkamm in dem zur Implantation
erforderlichen Ausmaß wieder aufzubauen. Als Spenderregionen kommen im Mund das Kinn und die
Weisheitszahngebiete in Frage.

Sinuslift - Knochenaufbau in der Kieferhöhle

Im Seitenzahngebiet des Oberkiefers kommt es nach Zahnverlust im Laufe der Zeit häufig zu einem extremen Verlust an Kieferknochenhöhe. Neben der üblichen Knochenresorption ist eine sich weit nach unten ausdehnende Kieferhöhle mitverantwortlich. Nicht selten beträgt die Knochendicke im Backenzahnbereich nur noch wenige Millimeter oder es ist lediglich eine hauchdünne Knochenschicht übrig. Um bei dieser Situation Implantate mit einer Mindestlänge von 10 mm vollständig im Knochen verankern zu können, muss neuer Knochen aufgebaut werden, was durch den sogenannten “Sinuslift” erreicht werden kann. Die Kieferhöhle (Sinus) ist mit einer dünnen Schleimhaut ausgekleidet. Durch ein seitliches Knochenfenster wird diese Schleimhaut vom Kieferhöhlenboden gelöst und nach oben verdrängt (Lift), worauf der entstandene Hohlraum mit eigenem Knochen oder Knochenersatzmaterial aufgefüllt wird. Eine Restknochenhöhe von mehr als 5 mm ist ausreichend für eine primäre Stabilität von eingesetzten Implantaten, so dass Implantation und Sinuslift in einer Operationssitzung durchgeführt werden können.
In vielen Fällen ist die Knochenhöhe jedoch geringer, so dass ein zweiphasiges Vorgehen erforderlich wird: bei der ersten Behandlung wird der Knochenaufbau in der Kieferhöhle durchgeführt, worauf nach einer Ausheilungszeit von 6 - 9 Monaten in einer zweiten Operation das(die) Implantat(e) eingesetzt werden.

Plättchenreiches Plasma - Plateled Riched Plasma (PRP).

Im menschlichen Körper werden die während des gesamten Heilungsprozesses benötigten Wachstumsfaktoren im Zuge der verschiedenen Heilungsphasen von unterschiedlichen Zellen bereitgestellt. In einer frischen Wunde liefern überwiegend Thrombozyten diese Wachstumsfaktoren.
Aus dem Blut des Patienten kann durch spezielle Zentrifugation und Filterung ein autologes Thrombozytenkonzentrat “plättchenreiches Plasma” (PRP = Platelet Rich Plasma) gewonnen werden. Durch Entfernung der roten und weißen Blutkörperchen erhält man eine geringe Menge Blutplasma mit einer hohen Konzentration an Blutplättchen (Thrombozyten), welche eine große Anzahl Botenstoffe für Heilung und Wachstum (Knochenregeneration) enthalten.
Durch die Anwendung von PRP bei Implantationen und Knochenaufbau bewirken diese körpereigenen Wachstumsfaktoren eine Stimulation und Beschleunigung der Knochenneubildung und -reifung, so dass eine frühzeitigere Implantatbelastung möglich sein kann. Ebenso wird durch plättchenreiches Plasma die Weichteilheilung direkt nach dem operativen Eingriff beschleunigt, so dass diese besonders kritische Phase der Wundheilung mit vielen Zugangsmöglichkeiten für Keime verkürzt und damit das Risiko einer Infektion verringert wird.

Neben der Wirkung auf die Wundstabilisierung und auf die Knochenneubildung ist der rasche Wundverschluß der Weichgewebe ein entscheidender Vorteil des PRP. So ist bei Patienten mit eingeschränkter Wundheilung oder Patienten von Risikogruppen, wie z.B. Raucher oder Diabetiker, eine starke Verringerung von eventuell auftretenden Komplikationen gegeben. Minimiertes Risiko und schnellere, viel bessere Heilung sind also klare Vorteile dieser Methode.

Advanced Tissue Regeneration System (ATR).

Einfacher und schneller in der Anwendung ist das neu entwickelte ATR = Advanced Tissue Regeneration System, bei dem man aus einer kleinen Menge patienteneigenen Blutes unmittelbar ein Thrombozyten-Mediatoren-Konzentrat (TMK) gewinnt das die zur Wundheilung und Geweberegeneration wichtigen Wachstumsfaktoren, z.B. PDGF,TGF-ß oder IGF enthält. Die Wachstumsfaktoren können direkt in das Wundgebiet eingebracht werden, um dort sofort zu wirken.

Knochenwachstuminduktoren (BMP).

Spezielle Eiweißkörper, die der Organismus als örtliche "Botenstoffe" für Knochenaufbau und Knochenheilung produziert, werden ebenso genutzt (BMP = Bone Morphogenetic Proteins z.B. Emdogain).
Emdogain ist ein medizinisches Präparat, das den zerstörten Zahnhalteapparat auf biologische Weise wiederherstellt. Der eigentliche Wirkstoff in Emdogain ist das Amelogenin, ein vom Körper selbst produziertes Protein. Dieses Protein hat eine wichtige Funktion bei der Zahnbildung und wird nur während der Zahnentwicklung produziert. Es steuert unter anderem die Entwicklung der Zahnwurzel und des Zahnhalteapparates.

Die Induktion von Knochen- und Gewebewachstum durch die im BMP (Emdogain) oder im PRP (Thrombozyten aus Eigenblut) erhaltenen Wachstumsfaktoren kann nach Operationen und Parodontosebehandlungen erheblich zur Heilung und zum Erfolg beitragen.