Parodontologie

Parodontologie
Die natürliche Zahnverankerung besteht aus dem sog. Zahnzement, von dem winzige Fasern ausstrahlen, und so den Zahn im Kieferknochen verankern.

Parodontitis
Parodontitis ist eine durch Bakterien hervorgerufene entzündliche Veränderung (Infektion) des den Zahn umgebenden Zahnhalteapparates und besonders des Kieferknochens.

Zuerst setzen sich Bakterien an den Zahnoberflächen fest. Werden die Schädlinge nicht durch das Immunsystem außer Gefecht gesetzt, führen sie zu einer Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis). Das Zahnfleisch schwillt an, rötet sich und blutet manchmal. Greift der Entzündungsprozess auf das Zahnbett über, handelt es sich um eine Parodontitis. Weicht das Zahnfleisch zurück und löst sich vom Zahn, bilden sich Zahnfleischlappen, "Zahnfleischtaschen" genannt. Sie bieten den Krankheitserregern ideale Nieschen für weitere ungehinderte Vermehrung und liefern ihnen Zahnwurzel, -haltegewebe und sogar den Kieferknochen aus. Im schlimmsten Fall führt Parodontitis zu Zahnverlust.

Oft wird Parodontitis nicht beachtet, da sie meist schmerzfrei und dadurch unbemerkt verläuft. Deshalb ist eine Früherkennung und möglichst frühzeitige Therapie wichtig um Folgen der Infektionskrankheit zu verhindern.

Parodontologie -

Ursachen der Parodontitis:
Parodontitis ist eine durch Bakterien hervorgerufene entzündliche Veränderung des Zahnfleisches und des Kieferknochens. Sie zählt zu den häufigsten Infektionskrankheiten der Mundhöhle. Für den Ausbruch der Erkrankung können jedoch nicht die Bakterien allein verantwortlich gemacht werden.

Erbliche Faktoren
Die DNA weist Gene auf, die für die Steuerung des Abwehrsystems zuständig sind. Ist eines verändert, besteht ein erhöhtes Risiko an Parodontitis zu erkranken.
Neuere Untersuchungen haben zusätzlich ergeben, dass etwa 30 % der Bevölkerung genetisch bedingt bei Entzündungen verstärkt ein Enzym bilden, das einen Knochenabbau im Bereich des Zahnhalteapparates beschleunigt.

Schlechte oder fehlerhafte Mundhygiene
Vor allem ungenügende oder fehlerhafte Mundhygiene fördert die Entstehung der Paradontitis da sie zu Veränderung der Bakterienflora der Mundhöhle führt.

pH-Wert des Speichels
Normalerweise ist der Speichel neutral bzw. leicht basisch. Nur so kann er den Schmelz nach ernährungsbedingten Säureattacken remineralisieren. Ist er jedoch zu sauer, droht eine Übersäuerung und dadurch die Entstehung der Parodontitis.

Hormonelle Störungen
Veränderungen des Hormonstatus zum Beispiel in der Pubertät, in der Schwangerschaft und im Klimakterium erleichtern die Entstehung einer Parodontitis.

Allgemeinerkrankung
Zum Beispiel Diabetes mellitus verursacht und beschleunigt eine Parodontitis.

Rauchen
Vor allem starkes Rauchen kann die Entstehung der Parodontitis fördern. Problematisch ist auch, dass die Zahnfleischentzündung lange ohne das charakteristische Bluten verläuft und so vom Patienten erst spät bemerkt wird.

Ernährung
Vor allem stark Kohlehydrathaltige Ernährung fördert Parodontitis.

Schlechte Zahnstellung
Fehlerhafte Belastungen und erschwerte Reinigungsmöglichkeiten durch Fehlstellungen.

Stress
Berufliche oder private Überbelastung kann denVerlauf einer Parodontitis negativ beeinflussen, da das Immunsystem geschwächt ist (Psycho-neuro-Immunität).
Im Zusammenhang mit Stress steht auch starkes Knirschen und Pressen.

Fehlerhafte Zahnversorgung
Hier vor allem viele Kunstofffüllungen mit ungenügender Randgestaltung, Zahnersatz mit erschwerter oder ungenügender Reinigungsmöglichkeit.

Übergewicht
Fettzellen produzieren Entzündungsstoffe, die zur Parodontitis führen.

Medikamente
Manche Medikamente unterstützen Entstehung von Parodontitis erheblich.

Alter
Im Alter vermindern sich die Abwehrkräfte und die Parodontitisbakterien können sich ausbreiten.



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Entwicklung und Verlauf der Parodontitis

Entzündung des Zahnfleisches - Gingivitis
Eine zunächst oberflächliche Entzündung der Gingiva, die mit noch nicht wesentlich vertieften Zahnfleischtaschen entsteht. Ausgelöst wurde die Entzündung durch Bakterien oder eine mechanische Reizung (z.B. Zahnstein, abstehende Füllungs- oder Kronenränder). Der Knochen ist nicht angegriffen. Bei guter Mundhygiene wird diese Entzündung in einigen Tagen abklingen.


Beläge und Konkremente
Hier sind die Zahnfleischtaschen deutlich tiefer. Es kommt zu einer Rückbildung des Alveolarknochens. In die Taschen abgesunkene Beläge haften an den am oberen Zahnwurzelanteilen und sind teilweise verkalkt. Diese harten Anteile sind Konkremente, die sich aus Geweberesten, Blut und abgestorbenen Bakterienzellen zusammensetzen. Sie führen zu einer zusätzlichen mechanischen Reizung des Zahnfleisches und halten zusammen mit den weichen bakteriellen Belägen die Entzündung in Gang.


Zerstörung des Zahnhalteapparates
Durch den Verlust des stützenden Knochens geht das Zahnfleisch zurück. Die Beläge sinken weiter ab und verhärten sich. Das System zur Selbstreinigung der Tasche durch das Taschensekret bricht vollkommen zusammen. Die Taschentiefe beträgt nun über 6 mm.
Die Zähne scheinen länger zu werden und können beweglich sein. Weiterhin kann ein eitriges, gelblich - weißes Sekret - Eiter aus den Taschen gedrückt werden, wenn die Taschen “aktiv” sind.


Drohender Zahnverlust
Die gemessenen Taschentiefen betragen jetzt 9 mm, wobei das Zahnfleisch stark zurückgeht. Der Knochenabbau schreitet weiter fort, das Gewebe der Zahnfleischtaschen besteht nur noch aus entzündlich verändertem Bindegewebe (sog. Granulationsgewebe). Der Zahnhalteapparat ist weitgehend zerstört. In dieser Phase sind die Zähne merklich gelockert, es kann zu eitrigen Abszessen in der Zahnfleischtasche kommen.


Neue Klassifikation der Parodontitiden
* Typ I Chronische Parodontitis (tritt meist bei Erwachsenen auf, ge- kennzeichnet durch Reizfaktoren, langsame Progression, variable Plaque, Kofaktoren)
* Typ II Aggressive Parodontitis (lokalisierte und generalisierte Form)
* Typ III Parodontitis als Manifestation einer Symptomerkrankung
* Typ IV Nekrotisierende Parodontitisformen


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Ziel der Therapie

Das Ziel der Behandlung der Parodontitis ist die Beherrschung der bakteriellen Infektion mit Initialtherapie, Scaling/ Rootplanning bzw. Parodontalchirurgie, Recall sowie organisierter parodontaler Erhaltungstherapie. Dabei sollte die Entzündung und etwaige Plaqueretentionsstellen dauerhaft beseitigt werden, die Festigung des Zahnes erreicht und die Wiederherstellung der ursprünglichen Morphologie soweit möglich angestrebt werden.

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Behandlung der Parodontitis

Nach mehrmaliger, gründlicher Vorreinigung der Zähne durch professionelle Zahnreinigung-Prophylaxe- wird der Biofilm, der die Parodontitis-Bakterien enthält, enfernt, der Zahnstein wird beseitigt und das Mundklima wird deutlich verbessert. Anschliessend wird unter örtlicher Betäubung eine Wurzelglättung oder Kürretage, sog. Tiefenreinigung unter dem Zahnfleisch durchgeführt. Mit kleinen Instrumenten werden die Wurzeln gereinigt, geglättet und poliert. Dadurch wird eine glatte Oberfläche geschaffen, an der sich Beläge schlechter anheften können. Die Konkremente - der Zahnstein unter dem Zahnfleisch wird gründlich entfernt.

Nach der Säuberung der Zahnfleischtaschen wird durch die Laser-Therapie eine zusätzliche Desinfektion erreicht. Mit dem Laserlicht wird eine keimabtötende Wirkung erzielt, auch kleine Bakterienreste werden entfernt. Somit wird ein erneuter Parodontoseschub verzögert.

Sind besonders aggressive Bakterien die Auslöser der Parodontitis muss mit bakterienbeeinflussenden Heilmitteln behandelt werden. Diese können in Tablettenform eingenommen oder auch lokal eingesetzt werden. Eine alleinige naturheilkundliche Behandlung reicht in diesem Fall nicht aus.



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Regenerative Therapie

Der Einsatzbereich der regenerativen Therapie sind besonders tiefe Taschen. Hier wird unterschieden zwischen mechanischer GTR (mit Membranen) und biologischer GTR (mit BMP = Bone-Morphogenetic-Proteins).

Knochenwachstums Induktion
Körpereigene Wachstumsfaktoren
BMP und PRP

Sind die Knochendefekte größer,
muss man eigenes oder synthetisches Knochenmaterial für das Auffüllen von Knochendefekten verwenden. Die Membranen stabilisieren solche Knochenplastiken.
Um Knochensubstanz aufzubauen, wird ein Granulat verwendet, das aus zwei Komponenten besteht: dem so genannten Knochentransplantat (Knochensubstanz, die dem eigenen Kieferknochen entnommen wird) sowie Knochenmineral (Bio-Oss®) und Knochenersatz (Perioglas).

Spezielle Eiweißkörper, die der Organismus als örtliche "Botenstoffe" für Knochenaufbau und Knochenheilung produziert, werden ebenso genutzt (BMP = Bone Morphogenetic Proteins z.B. Emdogain).

Zusätzlich wird eine Eigenblutbehandlung angewandt, die den Knochenaufbau günstig beeinflusst. Hierbei wird aus dem Eigenblut eine Plasma- Flüssigkeit mit konzentrierten Blutplättchen (Thrombozyten) gewonnen (PRP = Platelet Rich Plasma). Reich an Botenstoffen für Heilung und Wachstum beschleunigt das PRP Heilungsprozesse und Knochenregeneration.

Neben der Wirkung auf die Wundstabilisierung und auf die Knochenneubildung ist der rasche Wundverschluss der Weichgewebe ein entscheidender Vorteil. So ist bei Patienten mit eingeschränkter Wundheilung oder Patienten von Risikogruppen wie Raucher oder Diabetiker eine starke Verringerung von eventuell auftretenden Komplikationen gegeben. Minimiertes Risiko und schnellere, viel bessere Heilung sind also klare Vorteile dieser Methode.

Die Induktion von Knochen- und Gewebewachstum durch die im BMP ( Emdogain) oder im PRP (Thrombozyten aus Eigenblut) erhaltene Wachstumsfaktoren kann nach Operationen und Parodontosebehandlungen erheblich zur Heilung und zum Erfolg beitragen.


Emdogain ist ein medizinisches Präparat, das den zerstörten Zahnhalteapparat auf biologische Weise wiederherstellt. Der eigentliche Wirkstoff in Emdogain ist das Amelogenin, ein vom Körper selbst produziertes Protein. Dieses Protein hat eine wichtige Funktion bei der Zahnbildung und wird nur während der Zahnentwicklung produziert. Es steuert unter anderem die Entwicklung der Zahnwurzel und des Zahnhalteapparates.



Die natürliche Zahnverankerung besteht aus dem sogenannten "Zahnzement", von dem winzige Fasern ausstrahlen, und so den Zahn im Kieferknochen verankern. Emdogain führt zur Wiederherstellung dieser Verankerung und bietet damit die Möglichkeit, die eigenen Zähne zu behalten.
Beim Aufbringen von Emdogain auf die Oberfläche der Zahnwurzel benutzen wir das Protein, das einmal den Zahnhalteapparat entstehen ließ - diesmal jedoch dient es der Zahnerhaltung. Das Protein bewirkt erneut die Bildung einer natürlichen Zahnverankerung, genau wie zur Zeit der ursprünglichen Entwicklung der Zähne.


Fehlt das Zahnfleisch, oder ist zu viel vom Zahnfleisch sichtbar, wird mit mikrochirurgischen Techniken eine Zahnfleischplastik vorgenommen.